Vortrag

Corona – Finanzierungsmöglichkeiten

19. März 2020

Corona-Krise: Sicherstellung einer ausreichenden Liquidität als oberstes Gebot

 

Als die Corona-Krise im Dezember 2019 in China und damit weit weg begann, dachte man noch in Monaten, mit der immer schnelleren weltweiten Verbreitung in Wochen, dann Tagen und Stunden. Die Entwicklung ist extrem dynamisch. Mit umfangreichen und zuvor unvorstellbaren Maßnahmen wird das öffentliche Leben eingeschränkt, Lieferketten sind unterbrochen, Aktienmärkte im freien Fall. Unsicherheiten über künftige Entwicklungen nehmen exponentiell zu. Insofern sind erst kürzlich angestellte Überlegungen und aufgestellte Planungsrechnungen Makulatur.

 

Umso mehr gilt es, einen kühlen Kopf und vor allem den Blick für das Wesentliche zu bewahren.

 

Ganz reduziert wird es für Unternehmen zunächst pragmatisch darauf ankommen, ihre betrieblichen Abläufe und Lieferketten so weit wie möglich aufrecht zu erhalten. Jenseits von Überlegungen zu den Planungen über die Aussetzung der Insolvenzantragspflichten wird das nur mit ausreichender Liquidität möglich sein. Was aber, wenn die Einnahmen wegbrechen? Darlehen und laufende Verpflichtungen müssen bedient werden. Lieferanten, Dienstleister und Mitarbeiter werden nur gegen Bezahlung Leistung erbringen.

 

Eine Kernaufgabe der Unternehmensführung wird es deshalb in der aktuellen Krise sein, die Verfügbarkeit ausreichender Liquidität sicherzustellen. Die Liquiditätsentwicklung muss laufend und kurzfristig „Auf-Sicht“ überwacht werden. Nach der jetzt akuten Phase der Krise werden die wirtschaftlichen Spuren immens sein und eine exakte Steuerung und Überwachung der mittel- und langfristigen Liquidität notwendig machen.

 

Die öffentliche Hand versucht die negativen Auswirkungen auf betroffene Unternehmen durch unterschiedlichste Maßnahmen abzufedern und Unternehmen zu unterstützen. Nachfolgend versuchen wir, potenzielle Maßnahmen in einen geordneten Zusammenhang einzuordnen.

 

Maßnahmen kurzfristig („Auf-Sicht“): Ermittlung kurzfristiger Liquiditätslücken und Beurteilung möglicher Maßnahmen

 

1. Bestandsaufnahme: integrierte Unternehmensplanung als Basis

 

Um die weitere Liquiditätsentwicklung abschätzen zu können, braucht es zunächst einen Überblick über aktuelle betriebliche Strukturen, Zusammenhänge und Verpflichtungen.

 

Auch wenn sie sich inhaltlich jetzt als Makulatur herausstellt, hat eine erstellte integrierte Planungsrechnung jetzt einen unschätzbaren Nutzen: Sie stellt eine für einen langfristigen Zeitraum aufgestellte, strukturierte Sammlung vereinbarter und geplanter betrieblicher Zusammenhänge dar. Sie bildet Wirkungszusammenhänge zwischen Ergebnis- und Liquiditätswirkungen vollständig ab. Die Plandaten können als Basis von Szenario-Rechnungen verwendet werden.

 

Wurde bisher keine Planung erstellt, müssen jetzt so schnell wie möglich die künftig zu erwartenden Liquiditätszu- und -abflüsse zeitlich geordnet zusammengetragen werden.

 


2. Ermittlung Liquiditätsbedarf: Aufbau eines aktuellen worst-case-Szenarios

 

Der schwierigste Teil folgt: Der künftige maximale Liquiditätsbedarf muss ermittelt werden. Dazu muss für die nächsten Wochen eine Einschätzung, über die zu erwartende weitere wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens vorgenommen werden:

 

• Wie entwickelt sich die Nachfrage?
• (Wie) (K)kann diese bedient werden?
• Was bedeutet das für interne Abläufe?

 

Vor dem Hintergrund der volatilen Entwicklungen wird die Prognose höchst unsicher sein. Deshalb sollte man sich klar machen, aus welchem Grund man die Prognose erstellt: Es soll sichergestellt werden, dass das Unternehmen zu jedem Zeitpunkt zahlungsfähig bleibt. Insofern gilt: Unsicherheiten sollten im Zweifelsfall negativ überzeichnet werden, das heißt, Mittelabflüsse sind im Zweifel zu hoch anzusetzen, Mittelzuflüsse zu gering.

 

3. Beurteilung potenzieller betrieblicher Maßnahmen

 

Auf Basis dieses Zahlenwerks sind interne Handlungsalternativen zu ermitteln und in ihrer Wirkung zu beurteilen. So z. B.:

 

• Sind alle geplanten Ausgaben und Investitionen in der aktuellen Situation notwendig und sinnvoll?
• Können Vorgänge verschoben oder noch storniert werden? Was würde das ggf. kosten?
• In welchem Umfang können und müssen interne Strukturen und Abläufe angepasst werden?
• Wie, in welchem Umfang und in welchen Abteilungen ist der Einsatz des Instruments Kurzarbeitergeld denkbar?
• Zu welchem Zeitpunkt wirkt die Maßnahme? Was bedeutet das für die Liquidität?
• Sind Maßnahmen zur Reduzierung der Mittelbindung im working-capital kurzfristig umsetzbar? (Reduzierung Vorräte und Forderungen, Erhöhung Verbindlichkeiten)
• Sind Steuervorauszahlungsbeträge an die veränderte Situation angepasst?
• Sollten Steuervorauszahlungen gestundet werden?

 


4. Finanzierungsmaßnahmen

 

Erweist die worst-case-Liquiditätsplanung nach Verarbeitung potenzieller Maßnahmen weiterhin Liquiditätslücken, müssen diese in Form zusätzlicher Finanzierungsmaßnahmen gedeckt werden.

 

Tilgungsaussetzungen sollten umfassend genutzt werden. Dies setzen einige Finanzierungsprogramme aktuell noch zwingend voraus. Daraus entstehende negative Auswirkungen auf die Bonität bei den betroffenen Kreditinstituten sind dabei natürlich zu beachten.

 

Die Banken prüfen aktuell, ob sie diese Anträge auf Tilgungsaussetzung aufgrund der Folgen der Corona- Krise unbürokratisch sehr schnell entscheiden und insofern den weiteren Liquiditätsabfluss reduzieren. Dies könnte dann schon auf den 31. März 2020 erfolgen.

 

KfW:

 

Im Rahmen der Sofortmaßnahmen der Bundesregierung werden bestehende KfW Darlehensprogramme bezüglich Volumen und Konditionen erheblich ausgeweitet. Hierzu verweisen wir auf unseren Newsletter von dieser Woche mit den entsprechenden Verlinkungen.

 

Diese Darlehen der KfW werden nicht direkt von der KfW, sondern über die Hausbank an die Unternehmen gewährt werden. Die Darlehensgewährung ist insofern von einer positiven Kreditentscheidung der Hausbank abhängig. Positiv beeinflusst wird sie durch die umfangreiche beschlossene Haftungsfreistellung von 80% bis 90% (nur bei investiven Teilen). Dies bedeutet, dass der über die Hausbank gewährte Kredit durch eine Bürgschaft von Seiten des Bundes (abgewickelt über die Bürgschaftsbank) in Höhe von 80 % für die Hausbank unterlegt ist und das Kreditrisiko für die Hausbank für diesen Kredit „nur“ bei 20 % der Kreditsumme liegt. Dieses eigene Risiko für die Hausbank ist der aktuelle Hemmschuh. Hierzu ist das zu Grunde liegende Gesetz (KWG) ggf. noch einmal anzupassen, um die Hürden in der Bearbeitung zu senken. Ob dies erfolgt, ist aktuell nicht bekannt.

 

Die KfW will die Programme für diese Kredite in den nächsten Tagen zur Verfügung stellen, so dass dann anschließend kurzfristig Kreditanträge gestellt werden können. In jedem Falle müssen diese aber einerseits von der Hausbank und andererseits von der KfW positiv entschieden werden. Zielsetzung bleibt hier, die übliche Bearbeitungszeit erheblich zu verkürzen. Erfahrungswerte bestehen natürlich noch nicht.

 

Die Annahmen bzgl. der Laufzeiten und Konditionen dieser Darlehen orientieren sich aktuell an den bisherigen Programmen der KfW, jedoch bleibt diesbezüglich die Entwicklung und die Entscheidungen der nächsten Tage abzuwarten.

 

Notwendig wird aber weiterhin sein, offen, rechtzeitig und transparent mit der finanzierenden Bank zu kommunizieren. Je früher und nachvollziehbarer Ursachen und Wirkungen der Krise dargestellt werden können, um so aussichtsreicher ist der Kreditantrag.

 

ad-hoc-Programm Sachsen für kleine Unternehmen:

 

Sachsen will für Klein- und Kleinstunternehmen einen Hilfsfonds einrichten. Dabei soll es sich um ein öffentliches Darlehen handeln, welches von der Sächsischen Aufbaubank (https://www.sab.sachsen.de/meta/sab-news.jsp#nw-147200) vergeben wird. In den Medien sind folgende Eckdaten hierzu bekannt:

 

• Grundsätzliche, maximale Höhe im Einzelfall 50.000,00 € (im Ausnahmefall bis zu 100.000,00 €)
• Zinsfreiheit für das Darlehen
• Laufzeit von 8 Jahren (Möglichkeit Tilgungsfreiheit 3)
• Begünstigt sind: Kleine Unternehmen und Freiberufler mit bis zu 5 Beschäftigten mit Sitz oder Betriebsstätte im Freistaat Sachsen
• Voraussetzung: Umsatzrückgänge und unverschuldete wirtschaftliche Notlage aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus
• Sollten Bund oder EU während der Laufzeit des Programms ein Förderprogramm mit ähnlicher Zielrichtung auflegen, muss dieses Programm vorrangig in Anspruch genommen werden

 

Bürgschaftsbank:

 

Bürgschaftsbank will innerhalb eines Tages für Bürgschaft sorgen
Die Sächsische Bürgschaftsbank arbeitet derzeit daran, sehr schnell – innerhalb eines Tages – eine Entscheidung treffen zu können, um für einen Kreditwunsch eines Unternehmens die notwendige Banksicherung zu stellen. Man wolle Bürgschaften für bis zu 90 Prozent eines Darlehens vergeben. Für 10.000 bis 12.000 Unternehmen könne man so zeitnah Kreditbürgschaften bedienen.

 

5. Umsetzung der Maßnahmen

 

Aus unserer Sicht gilt es jetzt, diese Maßnahmen intern sehr schnell umzusetzen und die notwendigen Handlungsalternativen zu erarbeiten. Gerne unterstützen wir Sie bei der Umsetzung dieser Maßnahmen oder stehen Ihnen als Berater für die Beurteilung Ihrer Entscheidungen zur Verfügung.

 


Wir wissen, in der aktuellen Situation ist es wichtiger denn je, zusammen zu halten, uns gegenseitig zu unterstützen und diese außergewöhnlichen Wochen gemeinsam zu meistern. Wir wünschen Ihnen und uns, dass sich die Lage bald wieder entspannt und stehen Ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. 



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